FICE AUSTRIA - FICE International
Der Verein FICE AUSTRIA (französische Aussprache >fi´see<, statt eingedeutscht >fize<) ist seit beinah vier Jahrzehnte als österreichische Sektion von FICE International tätig. Bis 2003 lag das Hauptaugenmerk von FICE AUSTRIA im Bestreben die Lebenssituation fremduntergebrachter Kinder und Jugendlicher in Österreich durch fachlichen Austausch von Betreuungs-/Erziehungspersonal und Modernisierung sozialpädagogischer Konzepte zu verbessern.
Ab 2003 sind die Themenschwerpunkte:
- Kinderrechte
- Qualitätsstandards für Fremdunterbringung, (siehe weiter unten)
- Partizipation (siehe ebendort)
Von uns bekommen Sie aktuelle Informationen und viel Wissenswertes.
Wir wünschen uns Ihr Interesse. Beleben Sie den öffentlichen und privaten Raum mit den obgenannten Themen.
Treten Sie in Diskurs mit uns und auch mit Anderen!
Werden Sie Mitglied bei FICE AUSTRIA und/oder sponsern Sie uns ( http://www.kinderrechtebuero.at/flash/aufruf.htm ) .
Herzlichen Dank!
Mittermayr Otmar.
Neuer FICE AUSTRIA-Vorstand
in der Generalversammlung am 20.03.2007 einstimmig gewählt >

Otmar Mittermayr, Präsident
Dr. Christian Müller, Vizepräsident
Bettina Terp, Schriftführerin
Ingrid Schuneritsch, Kassierin
Dr. Margarete Bründl, Kontrolle
Mag. Martina Höglinger, Kontrolle
>Infos über "The international Social Work & Society Academy"<

"Quality4Children": Europäische Qualitätsstandards in der Fremdunterbringung werden in Brüssel präsentiert
Hundertausende Kinder und Jugendliche in Europa können nicht bei ihren leiblichen Eltern aufwachsen. Ihre Entwicklungschancen zu sich und zu verbessern ist das Ziel des Projekts Qualtity4Children (Q4C). Drei große internationale Organisationen, im Bereich der Betreuung fremd untergebrachter Kinder, SOS-Kinderdorf, IFCO (International Foster Care Organisation) und FICE (Féderation Internationale des Communatés Educatives) haben gemeinsam mit betroffenen Personen Qualitätsstandards für die Betreuung fremd untergebrachter Kinder und Jugendlichen erarbeitet.
Die offizielle Präsentation dieser Standards findet am 13. Juni 2007 im Europaparlament in Brüssel statt, auf Einladung von Lissy Gröner, Abgeordnete im Europaparlament, und in Anwesenheit von Vertreter(inne)n der EU und internationaler Organisationen, eingebettet in mehrere Impulsreferate zum Thema "Die Situation von fremd untergebrachten Kindern verbessern".
Zum Hintergrund von Quality4Children
Wie können die Entwicklungschancen von fremd untergebrachten Kindern und Jugendlichen, die nicht in ihren Herkunftsfamilien aufwachsen, gewährleistet und verbessert werden? Welche "guten Praxisbeispiele" ("Good Practices") in der Fremdunterbringung haben sich aus der Sicht von betroffenen Kindern und Jugendlichen, Eltern und Betreuungspersonen bewährt? Welche Qualitätsstandards für unterschiedliche Formen der Fremdunterbringung können daraus abgeleitet werden? Und schließlich: Wie können diese Qualtiätsstandards umgesetzt werden? Diesen Fragen widmet sich "Quality4Children".
32 europäische Länder sind an dem Projekt beteiligt. In allen Ländern wurden Projektkoordinator(inn)en nominiert und beauftragt, "Good Practice"-Geschichten in der Betreuung fremd untergebrachter Kinder in ihren Ländern zu sammeln. Insbesondere betroffene Kinder und Jugendliche sowie deren leiblichen Familien und Betreuer/innen kamen zu Wort und waren damit maßgeblich an der Entwicklung von Qualitätsstandards beteiligt. Auch in der Steuerungsgruppe von Q4C sind Jugendliche vertreten, um sicherzustellen, dass ihre Sicht auf das Thema gut im Projekt verankert ist.
18 Standards, gegliedert in die drei Kapitel "Entscheidungs- und Aufnahmeprozess", "Betreuung" und "Verselbständigung" liegen nun vor. In einem nächsten Schritt sollen sie implementiert und laufen evaluiert werden.
Unabhängig von den drei Organisationen, die die Q4C-Standards ihrer eigenen Arbeit nutzen werden, liegen in einigen europäischen Ländern konkrete Absichtserklärungen vor, die Q4C-Standards umzusetzen. So planen beispielsweise Jugendwohlfahrtsbehörden in der Schweiz, den Niederlanden und Malta, die Q4C-Standards als Handlungsrahmen für die Sicherung und Verbesserung der Betreuungsqualität zu nutzen.
Die offizielle Präsentation findet am 13. Juni im Europaparlament in Brüssel statt, auf Einladung von Lissy Gröner, Abgeordnete im Europaparlament, und in Anwesenheit von Vertreter(inne)n internationaler Organisationen, darunter natürlich die drei Partnerorganisationen von "Quality4Children", SOS-Kinderdorf, FICE und IFCO. Die Präsentation der Standards wird eingebettet sein in mehrere Impulsreferate zum Thema "Die Situation von fremd untergebrachten Kindern verbessern". In den einzelnen Referaten werden verschiedene Aspekte angesprochen: Der Bedarf von Qualitätsstandards wird ebenso thematisiert wie Indikatoren für eine gute Betreuung von Kindern und Jugendlichen in Fremdunterbringung.
Ab dem 13. Juni 2007 sind die Q4C-Qualitätsstandards sowohl als Printversion als auch Online verfügbar und können auf dieser Website abgerufen werden: www.quality4children.info
Q4C-Qualitätsstandards in der Fremdunterbringung: ein Beispiel
Was beinhalten nun diese Standards? Nehmen wir das Beispiel "Betreuung": Die Standards in diesem Bereich besagen, das Kinder an allen ihr Leben betreffenden Entscheidungen adäquat beteiligt werden müssen. Gemeinsam mit den Betreuungspersonen sollen Kinder und Jugendliche etwa überlegen, welche Schule besucht werden soll oder wann und wie der Schritt in ein selbständiges Leben erfolgen soll.
Ein Standard hält fest, dass den Kindern soweit als möglich ihre familiären, sozialen und kulturellen Ressourcen erhalten bleiben müssen. Das bedeutet, dass Kinder und Jugendliche, wenn sie fremd untergebracht werden, möglichst in ihrer Heimatgemeinde bleiben sollen, um weiterhin die selbe Schule besuchen und die selben Freunde treffen zu können.
Ein anderer Standard erläutert, dass Kinder mit speziellen Bedürfnissen adäquate Betreuung erhalten und ihre Betreuungspersonen entsprechend geschult und unterstützt werden müssen. Auch die besondere Bedeutung der Zusammenarbeit mit der Herkunftsfamilie des Kindes wird hervorgehoben, d.h. regelmäßiger Kontakt mit der biologischen Familie wird gefördert und professionell begleitet. Ein weiterer Standard beschreibt, wie Jugendliche auf ihrem Weg in ein selbständiges Leben unterstützt und begleitet werden sollen, z.B. indem man ihnen von jungen Jahren an, dem Alter und dem individuellen Entwicklungsstand angepasst, Verantwortung überträgt.
Jeder einzelne Standard wird ausführlich beschrieben, indem Verantwortlichkeiten, Handlungsrichtlinien, Risikofaktoren sowie sein Bezug zur "UN-Konvention über die Rechte des Kindes" ausgeführt werden. Ergänzend dazu werden entsprechende Aussagen von jenen zitiert, die "Good Practic"-Geschichten zur Verfügung gestellt haben.

Qualitätsstandards für Fremdunterbringung
Viele Kinder und Jugendliche in Europa leben auf Betreuungsplätzen außerhalb ihrer Herkunftsfamilien, z.B. durch eine Intervention der Behörden, nachdem alle präventiven Möglichkeiten ausgeschöpft wurden.
Auf Basis der UNO-Konvention über die Rechte des Kindes müssen verlässliche Qualitätsstandards für die Betreuung solcher Kinder und Jugendlicher entwickelt werden.
So soll vor dem Hintergrund der Ausweitung der Europäischen Union ein Prozess beginnen, in dessen Verlauf Qualitätsstandards für die Betreuung von fremd untergebrachten Kindern und Jugendlichen diskutiert und weiter entwickelt werden sollen.
Die Grundidee dieses Projektes ist es,
- jene Qualitätsstandards und bewährten Praxiserfahrungen bezüglich der Betreuung von fremd untergebrachten Kindern und Jugendlichen zu identifizieren und weiter zu entwickeln,
- die einen gemeinsamen Rahmen schaffen für deren Einführung in allen Organisationen und Einrichtungen, die auf diesem Feld tätig sind,
- bei gleichzeitiger Möglichkeit der individuellen Positionierung.Quelle und mehr
siehe: www.quality4children.info

Partizipation
Partizipation ist Basis und Fundament jeder Demokratie.
Eine funktionierende Demokratie braucht Beteiligung und Mitbestimmung sowie engagierte Menschen und Rahmenbedingungen, die dieses Engagement ermöglichen. Damit das friedliche Zusammenleben in der gegenwärtigen und auch in einer zukünftigen Gesellschaft zu gewährleisten ist, geht es um eine gerechte Verteilung von Arbeit, Einkommen und Lebenschancen. All das kann nur durch eine umfassende, aktive Beteiligung und Mitbestimmung der BürgerInnen erreicht werden.
Die Vision engagierter, selbstbestimmter und verantwortungsvoller BürgerInnen wird nur dann Realität werden, wenn das Bewusstsein für Mitbestimmung und nachhaltige Generationengerechtigkeit geschaffen wird.
Demokratie fängt klein an. Wenn wir von unseren Kindern fordern, aktive, engagierte und politisch denkende Menschen zu werden, dann müssen wir auch die Basis dafür schaffen - durch demokratische Beteiligung von klein auf.
Kinder- und Jugendliche zu beteiligen heißt, dass diese bei Entscheidungen, die ihre Lebenswelt betreffen, mitreden, mitgestalten und mitbestimmen können. Durch Beteiligung und Mitbestimmung wird bei den jungen Menschen Engagement gefördert, indem diese erleben können, wie ihre aktive Mitarbeit Veränderungen bewirkt. Durch Beteiligung und Mitbestimmung kommt es zu einer Stärkung der Kompetenzen der Kinder und Jugendlichen, die Ergebnisse sollen zur Verbesserung der Lebenssituation der jungen Menschen beitragen. So kann sich die sogenannte "ZuschauerInnendemokratie" zu einer Demokratie der aktiven Auseinandersetzung und Umsetzung entwickeln.
Beteiligung und Mitbestimmung bedeutet immer, dass Kinder und Jugendliche nicht allein, sondern begleitet und unterstützt von Fachleuten an Themen, Anliegen oder Veränderungen von Situationen arbeiten oder ein Projekt gestalten. Die Beteiligten sind gleichberechtigte PartnerInnen und nehmen aktiv am Modellentwicklungs- und Entscheidungsprozess teil. Die jungen Menschen, unabhängig von ihren Fähigkeiten und Fertigkeiten, ihrer sozialen, ethnischen und religiösen Herkunft, werden dabei als ExpertInnen für ihr Lebensumfeld anerkannt. Kompetente Begleitpersonen stehen beratend und unterstützend zur Seite und helfen bei der Umsetzung.
Beteiligung schafft Kontakt und Akzeptanz zwischen verschiedenen Zielgruppen und berücksichtigt deren jeweilige Bedürfnisse.
Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass Kinder- und Jugendbeteiligung auf der einen Seite bedeutet, Kinder und Jugendliche zu beteiligen - an der Gestaltung des gemeinsamen Lebensumfeldes von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen - oder anders betrachet, Jugendbeteiligung ist eine Methode/Form/Möglichkeit der Jugendarbeit mit dem Ziel, Kinder und Jugendliche aktiv in die Gestaltung des gemeinsamen Lebensumfeldes miteinzubeziehen.
Beteiligung bedeutet auch Gestaltung von Lebensräumen, gesunden Lebenswelten, Antidiskriminierung, usw. Daher finden sich Inhalte der folgenden Grundsätze und Qualitätskriterien auch in internationalen Dokumenten wie der Agenda 21, den EU-Equal-Programm-Leitlinien, der Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen,dem Weissbuch Jugend der Europäischen Union und der Europäischen Charta des Europarates zur Beteiligung junger Menschen auf kommunaler und regionaler Ebene.
siehe: www.jugendbeteiligung.cc

Bericht der FICE-International Präsidentin, Monika Niederle
FICE Kongress (06.-08.09.2006): "Auch mit belasteter Kindheit die Zukunft positiv gestalten"
Zur Information: weltweit können mehr als 150 Millionen Kinder nicht bei ihren Familien aufwachsen. Die Gründe sind vielfältig.
Die Konferenz war nicht nur ein Forum für Erwachsene, sondern auch für Jugendliche. Mehr als 50 Jugendliche aus 13 Ländern (!weltweit!) nahmen an dem Kongress teil. Das Jugendprogramm begann bereits vier Tage vor dem Hauptkongress. Die Jugendlichen hatten die Wahl, am Hauptkongress teilzunehmen (was sie auch sehr intensiv taten) oder zwischendurch auch anderen Aktivitäten (Tanz, Musik) nachzugehen. In einem gemeinsamen Workshop vertieften Jugendliche und Erwachsene die "FICE Deklaration von Sarajevo". Täglich geleiteten uns die Jugendlichen mit Trommelwirbel aus den Pausen in die Tagungsräume. ....
Ich konnte nur an einem Bruchteil der Veranstaltungen teilnehmen, viele Workshops und Präsentationen liefen parallel. Auch Quality4Children wurde präsentiert (von Christian Posch und Werner Hilweg, SOS).
Boris Cyrulnik, Frankreich; spricht zum Thema: "Kann man ins Leben zurück finden nach einem schweren Trauma?" - Er spannt den Bogen von Anna Freud (>Sprache wieder gewinnen durch nonverbale Ausdrucksmittel<) über René Spitz und die Untersuchungen der Entwicklung traumatisierter Kinder an der Londoner Hampstead Klinik bis hin zur Resilienz. >Trauma ist ein schwarzes Loch, doch danach können innere Ressourcen abgerufen werden, wenn in der Kindheit sichere Bindung vorhanden war. Um diese inneren Ressourcen entdecken zu können bedarf es geschulter Mentoren<. Abschließend bezeichnet er Vernachlässigung als die schwerste Form der Kindesmisshandlung (>weil die inneren Ressourcen nicht aufgebaut werden<).
Taida Kapetanovic (Bosnien+Herzegovina) und Ljubomir Pejakovc (Serbien) berichten vom Status der Kinder in Südosteuropa.
Serbien: Armut und Arbeitslosigkeit führen zu steigender Gewalt bei Jugendlichen, das alte Wertesystem ist zusammengebrochen. In Folge gibt es viele Heime und eine sehr altmodische (Ausdruck stammt von Hrn. Pejakovic!) Kinderpolitik, die Eltern verfügen über keine Erziehungskompetenz, auch ihnen fehlt die Basis eines Wertesystems. Er beklagt ein sehr autoritäres Erziehungssystem, die Kinderrechte werden nicht eingehalten, sind nicht einmal bekannt, ein "Schutznetz" ist noch nicht aufgebaut, die Öffentlichkeit nicht sensibilisiert. Es gibt keine Vernetzung von Datenbanken. Für Kinder und Gesundheitswesen werden vom Staat nur geringe Investitionen getätigt. Behinderte und Roma bekommen überhaupt nichts. Zum Heim gibt es kein Alternativsystem, Prävention und Sozialarbeit sind in den Kinderschuhen.
Veränderungen beginnen langsam auf lokaler Ebene, kleine Projekte werden von der Regierung finanziert. Pflegefamilien werden gesucht.
Derzeit gibt es in Serbien 3 000 Kinderheime.
Neue Gesetze und neue Lehrpläne für Schulen werden geschaffen.
Die Sozialämter werden reformiert, neue Arbeitsmethoden eingeführt.
Bosnien+Herzegovina: Es gibt nur wenige gesicherte Daten (keine Vernetzung). 30% der Kinder leben in Armut. 40% der Jgl. sind arbeitslos. 3 500 Kinder haben keine Eltern, 1/3 lebt in Heimen, 2/3 bei Pflegeeltern (oft Verwandtenpflege). 40% der Heimkinder sind länger als 7 Jahre im Heim (obwohl die meisten von ihnen Eltern haben). 30% der Heimkinder sind behindert. Auch bei guten Schulnoten wird den Heimkindern keine über die Grundschule hinausführende Ausbildung ermöglicht. Es gibt wenig Fachpersonal, die meisten MitarbeiterInnen sind Ehrenamtliche. Reform: vor dem Krieg gab es noch 5 Heime mit mehr als 100 Kindern, aus diesen wurden 17 kleinere Einrichtungen gemacht. Derzeit wird an der Entwicklung alternativer Unterbringungsformen gearbeitet, Projekte werden gestartet, Fachpersonal wird ausgebildet. Das Know How von Wien ist hier wieder einmal sehr gefragt!
Plan bis 2016: Fokus auf Familienförderung, große Einrichtungen dezentralisieren auf kleine Einrichtungen, Präventionsarbeit, Bewusstsein der Öffentlichkeit verändern.
Lutz-Ulrich Besser, Deutschland: Die Verwundungen durch Kriege wie in Sarajevo zeigen sich jetzt, 11 Jahre danach immer noch in vielfältiger Form durch posttraumatische Belastungsstörungen. Besonders in der Kindheit und Jugend stellen Krieg, Gewalterfahrungen aller Art, Vernachlässigung, emotionale, physische und sexuelle Misshandlung die schwerwiegendsten und gesellschaftlich häufigsten Traumatisierungen dar. Solche traumatischen Erfahrungen hinterlassen unbehandelt lebenslange Spuren. Die neurobiologische Forschung der letzten Jahre zeigt, dass es unter Trauma bedingtem Stress im menschlichen Gehirn zu veränderter Reiz- und Informationsverarbeitung sowie symptomträchtigen Gedächtnisbildungsprozessen kommt. Unser Gehirn ist ein sich selbst organisierendes neuronales Informationsnetzwerk, das sich entsprechend seiner Nutzungsbedingungen strukturell anpasst und verändert. Es kommt dabei jedoch nicht nur in den neuronalen Netzen des Gehirns zu veränderten Informationsverarbeitungsprozessen, sondern auch die interakionellen Netze zwischen Menschen, also ihre Kommunikations- und Interaktionsstrukturen können traumabezogen "einfrieren" und zu langfristig schwerwiegenden Störungen der Beziehungen aller Beteiligten auch in den Helfersystemen (Pflege- und Adoptivfamilie, Heime, Kliniken) werden. So entstehen häufig generalisierte dysfunktionale Muster, die ihrerseits bereits vorhandene Symptome fixieren oder neue Auffälligkeiten und Störungen hervorrufen.
Kinder brauchen: Geborgenheit, Sicherheit, Unterstützung, Halt in sicheren Bindungen mit kompetenten, empathiefähigen, klaren, aufrichtigen Erwachsenen und Schutz vor Gewalt jedweder Art - eine "gewaltfreie Zone" oder auch ein "Naturschutzgebiet für Leib und Seele" und eine hoffnungsvolle Zukunft als Voraussetzung für eine positive Entfaltung ihrer Gehirne, ihrer psychosozialen Kompetenzen und damit ihrer Persönlichkeit.
Zeni Thumbadoo, Südafrika: Sie berichtet über die Problematik von AIDS in Bezug auf Kinder, Waisen, Halbwaisen. Ältere Geschwister müssen/wollen oft nach dem Tod beider Elternteile für die jüngeren Geschwister sorgen (Child Headed Households). Es fehlen aber jegliche Formen der Unterstützung. Geschwisterreihen werden in unterschiedlichen Heimen untergebracht, obwohl nahe Verwandte grundsätzlich bereit wären, sich um die Kinder zu kümmern, es fehlt oft bloß das bisschen Geld, um Nahrungsmittel für ein paar Mäuler mehr zu kaufen. Sie bereichtet auch vom Projekt "Memory Boxes". Waisenkinder und jene, die sicher bald Waisenkinder sein werden basteln unter Anleitung von SozialarbeiterInnen und Freiwilligen kleine Schachteln. Die Hilfe brauchen sie nicht zum Schachtelbau, sondern um mit ihrem Schicksal umgehen zu können. In diesen Schachteln werden Erinnerungsstücke an Vater und Mutter, an die gemeinsame Lebensspanne mit Eltern und Geschwistern aufbewahrt, Kleinigkeiten nur, ein Stück Stoff vom Kleid der Mutter, ein Gürtel, ein Schmuckstück, ein Brief, eine Zeichnung, manchmal werden auch Fotos gemacht und beigelegt. Diese Schachteln sind alles, was den Kindern aus ihrer Vergangenheit bleibt, aber sie sind etwas, worauf sie im Sinne von Boris Cyrulink zurückgreifen können. Wir sahen einen berührenden Film. Ich habe FICE Südafrika gebeten, mir diese DVD zur Verfügung zu stellen.
Anne Frommann: "Wie können Menschen, die Krieg erlebt haben, zum Frieden erziehen?" - Friedenserziehung und Präventionsstrategien. Dieses Thema ist nicht durch eine wissenschaftliche Darstellung zu bewältigen, es bedarf des Zusammentragens all unserer Erfahrungen, der Verknüpfung von ermutigenden Erkenntnissen und einer Perspektive für die Zukunft. Hemmnisse für friedenspädagogische Arbeit sind sowohl in den Verhältnissen als auch in den Menschen zu finden, sie sind aber nicht unüberwindbar. Praktische Beispiele für Methoden bearbeitete Anne Frommann in ihrem Workshop. Auf den Schultern von professionellen PädagogInnen sieht sie eine große Verantwortung lasten, es geht um das Bemühen, einen Ausgleich der verschiedenen Interessen zu schaffen und vor der alltäglichen Gewalt nicht zu kapitulieren.
Präsentationen: Dennis Felty; Keystone Human Services: Sozialsysteme in den USA funktionieren vollkommen anders als in Europa. Genaue Infos über Keystone unter >
Almina Satrovic, Bosnien: Sie präsentiert gemeinsam mit KollegInnen und Freiwilligen ein Projekt aus Bosnien. Die jungen Frauen arbeiten seit 2 Jahren in einem sehr interessanten Projekt zur Verhinderung von Drogenmissbrauch. Jugendliche werden geschult zu Begleitpersonen für gefährdete Jugendliche. In einem 1:1 Schlüssel arbeiten ausgebildete Jugendliche mit gefährdeten Jugendlichen, verbringen Freizeit mitsammen, erarbeiten Perspektiven. Die Gefährdeten lernen am Beispiel der anderen Jugendlichen, die zukunftsorientierte Lebensperspektiven haben. Es handelt sich hier um Primärprävention. Die Erfolgsquote ist sehr hoch.
Michael Biene, Das SIT Modell: Aktive Eltern in der Jugendhilfe. Ein sehr interessanter Ansatz. Betreut werden Eltern/Mütter gemeinsam mit ihren Kindern. Mutter und Kind ziehen in ein Heim. Unterstützung kommt von anderen Müttern und Fachleuten. Familiencoaching mit Schlafplatz.
Bei der Schlussveranstaltung wurde die Deklaration präsentiert, die endgültige sprachliche Formulierung muss noch ausgearbeitet werden, daher gebe ich sie hier nur exzerptiv wieder. Die 6 Grundsätze besagen, dass FICE sich einsetzt für:
- Kinderrechte,
- Partizipation,
- Wiederherstellung von Schutz und Geborgenheit in Krisensituationen,
- schulische und berufliche Unterstützung aller Kinder,
- Biografiearbeit,
- therapeutische Unterstützung zur Verarbeitung traumatisierender Ereignisse, Garantie velässlicher Beziehungen
Die mit Herbst 2003 begonnene intensive Arbeit für
> Kinderrechte
> Qualitätsstandards für Fremdunterbringung
> Partizipation
des bis heute tätigen Vorstands von FICE AUSTRIA (Betreiberin des KINDERRECHTEBÜRO Österreich) trägt nun auch internationale Früchte.
Frau Monika Niederle, Präsidentin von FICE AUSTRIA wurde per 06.09.2006, im Rahmen des FICE International Congress in Sarajewo zur Präsidentin von FICE International gewählt. Eine Auszeichnung für ihr unermüdliches Engagement in den letzten knapp 3 Jahren, aber auch eine große Herausforderung, da die obgenannten Themenbereiche gerade in sozial- und gesellschaftspolitischer Hinsicht europaweit noch viel Bemühen und Aufmerksamkeit bedürfen.
FICE International (www.fice-inter.org) und FICE AUSTRIA (www.fice.at) sind am richtigen Weg!
..... ganz was Neues!
FICE AUSTRIA , Betreiberin des KINDERRECHTEBÜRO Österreich, ist per Juni 2006 Mitglied der National Coalition Austria (NC)/Netzwerk Kinderrechte (www.kinderhabenrechte.at).
Die NC wurde im Dezember 1997 als Netzwerk zur Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention (KRK) gegründet. Wesentlich ist ihre Position im Nichtregierungsbereich und als unabhängige Institution. Die NC-Mitglieder, z.B. asylkoordination österreich, Bundesjugendvertretung, Katholische Jungschar, Kinderfreunde, Kinder- und Jugendanwaltschaften, Ludwig Boltzmann Institut für Menschenrechte (alle unter: http://www.kinderhabenrechte.at/erwachsene800/netzwerk.php )
befassen sich in ihrer täglichen Arbeit auch mit der Umsetzung der KRK.
Betrifft: Unterstützung der KINDERRECHTE
Mitte April schrieb das KINDERRECHTEBÜRO Österreich eine Email an Frau Margit Fischer und bekam eine Antwort, über die wir uns freuen können:
>..... Der Herr Bundespräsident und Frau Fischer wünschen Ihnen für die Realisierung Ihres Projektes viel Erfolg und senden beste Grüße.< (Zitat aus dem Brief der Österreichischen Präsidentschaftskanzlei vom 27. April 2006)



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